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23.04.2018

Teststrecke für Angsthasen nicht geeignet

Feuerwehrleute haben nicht nur einen starken Charakter und ein großes Herz, sie müssen auch körperlich fit sein. Wenn sie in bleischwerer Atemschutzkleidung Menschen aus brennenden Gebäuden retten, dann müssen sie gesund und psychisch stark sein. Mindestens einmal im Jahr hat deshalb jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau die Atemschutzstrecke zu absolvieren und den damit verbundenen Belastungstest bestehen. Wer diese Prüfung nicht besteht, darf nicht mehr als Atemschutzträger in den Rettungseinsatz. Wie bei jeder Prüfung gibt es natürlich eine zweite Chance weiter zu trainieren und den Test zu wiederholen. Und der ist hart, sehr hart.

Das konnten Medienvertreter bei der offiziellen Einweihung der Atemschutzstrecke im Gebäude der Neubrandenburger Berufsfeuerwehr erleben. Bürgermeister Silvio Witt und Landrat Heiko Kärger hatten dazu eingeladen, weil sie die neue Anlage der Öffentlichkeit vorstellen wollten, die Stadt und Landkreis gemeinsam angeschafft haben. In der Feuerwehrtechnischen Zentrale Neuendorf gibt es eine solche Atemschutzstrecke schon etwas länger, jedoch bei mehr als 4.500 freiwilligen Feuerwehrfrauen- und männern und weiteren 90 Kameraden bei der Berufsfeuerwehr reicht eine Atemschutzanlage für den jährlich vorgeschriebenen Test nicht aus, sagte Kreiswehrführer Norbert Rieger.
Der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr, Lars Granzin, erklärte die grundsätzlichen Regeln: Immer zwei Personen absolvieren gemeinsam die Teststrecke. Ganz gleich ob zum Training oder zum Test, die Kameradinnen und Kameraden können sich zu jederzeit dafür anmelden, auch am Wochenende. Atemschutzträger müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Für Frauen und Männer gelten dieselben Normen, „denn im Einsatz müssen alle gleichermaßen fit sein.“ Wenn jemand auf der Strecke gesundheitliche Probleme bekommt, wird der Test sofort mit einem Druck auf den roten Notknopf beendet. Vom Kontrollraum aus werden die Kameraden per Bildschirm und Funkkontakt ständig beobachtet. Jeder ist mit einem Pulsmesser ausgestattet. Die Frequenz wird aufgezeichnet.
Nach der Einführung ging es für die beiden Feuerwehrmänner Andreas Bastian und Steffen Hönig von der Berufsfeuerwehr auf die Teststrecke; diesmal begleitet von einem Fernsehteam und vielen Fotografen. Erstmal gibt es eine „Erwärmung“: voll ausgerüstet auf dem Laufband, einem Fahrradergometer und zum Treppensteigen in einer Endlosschleife. Anschließend dann der Gang in das „brennende Haus“: Rauch vernebeltet den Blick, Blitze zucken in dem verdunkelten Raum. Die Männer kämpfen sich durch enge vergitterte Räume und ein Rohr, sie öffnen eine glühend heiße Metalltür und lassen sich auch von der unheimlichen Geräuschkulisse mit flackerndem Feuer, Blitzen und Schreien nicht ablenken.

Die Besucher gerieten allein beim Zuschauen ins Schwitzen. Das ist wahrlich keine Prüfung für Angsthasen! Natürlich schafften die beiden gut trainierten Männer die Teststrecke, auch unter den etwas ungewöhnlichen Bedingungen der medialen Beobachtung. Aber selbst für sie ist dieser „Lauf“ kein Kinderspiel. Für die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehren, die diesen Test alljährlich bewältigen, gab es symbolisch eine extra Verneigung von allen Beobachtern an diesem Tag.
Wie Landrat Heiko Kärger sagte, haben sich der Landkreis und die Stadt Neubrandenburg die Gesamtkosten von 143 Tausend Euro für die Anlage geteilt. Er sei sehr froh, dass die Zusammenarbeit zwischen der Berufsfeuerwehr und den freiwilligen Kräften im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte so gut funktioniert.
Oberbürgermeister Silvio Witt dankte den beiden Probanden für Ihren Sondereinsatz an diesem Tag.

BU: Unter aufmerksamen Blicken ihres Chefs, Lars Granzin, sowie Oberbürgermeister Silvio Witt und Landrat Heiko Kärger: Andreas Bastian und Steffen Hönig beim Anlegen der 20 Kilogramm schweren Schutzkleidung.